Biogas - Energie nach Maß
Was ist eigentlich Biogas?
Biogas ist ein Gasgemisch, das bei der natürlichen Zersetzung von organischem Material unter Luftabschluss entsteht. Dieser Zersetzungsprozess wird in Biogasanlagen technisch genutzt, um aus Gülle, Energiepflanzen oder Bioabfällen Biogas zu erzeugen. Die Substrate werden in luftdicht abgeschlossenen Gärbehältern – den so genannten Fermentern –vergoren. Dazu ist die Arbeit vieler verschiedener Mikroorganismen notwendig. Sie wandeln die Biomasse zu Biogas und dem Gärprodukt um. Der wichtigste Bestandteil von Biogas ist das brennbare Methan (CH4). In Abhängigkeit von den eingesetzten Substraten schwankt der Methangehalt zwischen 50 und 65 Prozent. Biogas kann zu Strom, Wärme, Gas oder Treibstoff umgewandelt werden. Zurück bleibt mit dem Gärprodukt ein hochwertiges Düngemittel, reich an humusbildenden Stoffen und Nährstoffen. Sie werden flüssig oder getrocknet in der Landwirtschaft als organischer Dünger oder Bodenverbesserer eingesetzt.



So funktioniert eine Biogasanlage
Der Gärprozess in Biogasanlagen findet in luftdichten, wärmeisolierten und beheizten Gärbehältern – den sogenannten Fermentern – statt. Diese werden regelmäßig mit frischer Biomasse „gefüttert“. Als Substrate werden Energiepflanzen, landwirtschaftliche Reststoffe wie Gülle und Festmist und Bioabfälle eingesetzt. Innerhalb der Energiepflanzen stellt der Mais aufgrund seines hohen Biomasseertrages mit 85 % noch den Hauptanteil. Aber auch andere Energiepflanzen wie zum Beispiel Getreideganzpflanzen, Ackergras, Blühpflanzen, Durchwachsene Silphie und Mischkulturen gehören zum Substratmix. Mais liefert aufgrund seines hohen Biomasseertrages den höchsten Methanertrag pro ha und hat demzufolge auch einen hohen Nährstoffbedarf. Er benötigt nur eine Pflanzenschutzmaßnahme nach dem Auflaufen (Herbizid), wird im September geerntet und dann einsiliert. Da auch die Landwirte einen Teil der Verantwortung für den Verlust der Artenvielfalt übernehmen, werden ebenso wie im gesamten Bundesgebiet auch im Ammerland zunehmend mehrjährige Energieblühmischungen aus Wildpflanzen für die Biogaserzeugung eingesetzt, um das Ziel der Energiegewinnung mit dem der Förderung der Artenvielfalt auf dem Acker zu vereinen und mehr Lebensraum für Insekten zu schaffen. Der Maisanbau ist im Ammerland von 2012 bis 2019 bereits geringfügig um 1,1 % gesunken (LWK Niedersachsen). Bei der Ausgestaltung von Biogasanlagen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme und Techniken. Die häufigste Form ist die NawaRo-Anlage mit gekoppelter Strom- und Wärmeerzeugung. In diesen mit Energiepflanzen, Futterresten und Wirtschaftsdünger betriebenen Anlagen wird das entstandene Methan im Blockheizkraftwerk in Strom umgewandelt und die hierbei entstehende Wärme genutzt, um z. B. Wohnhäuser und Ställe in direkter Nähe zu heizen.
So wird hier Biogas produziert
Die von der Familie Osmers betriebene Biogasanlage ist typisch für das Ammerland. Sie setzt überwiegend Gülle und Mist ein und produziert 2.000.000 KWh Strom pro Jahr. Damit können rund 570 Haushalte mit Strom versorgt werden. Sie ist flexibilisiert, das heißt, in Zeiten geringer Stromproduktion durch Windkraft- und Solaranlagen kann Sie deutlich mehr produzieren und somit eine gleichmäßigere Versorgung sicherstellen. Neben dem Strom werden 1.800.000 KWh Wärme erzeugt. Damit können 180.000 Liter Heizöl ersetzt werden. Mit der produzierten Wärme werden sieben Wohnungen, ein Hotel und eine Gastwirtschaft geheizt. Die übrige Wärme nimmt eine Trocknungsanlage für Kaminholz und Hackschnitzel ab. Die Baukosten der Biogasanlage betragen insgesamt 2,6 Millionen € und umfassen neben der Anlage die Silageplätze, das Wärmenetz, die Trocknungsanlage und das Gärrestlager.
